Vom PR-Projekt zur Patienten-Aufklärung - Experten-Chat im Internet PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 27. Oktober 2010 um 10:21 Uhr

Der 29. Oktober wird seit 2004 als „Welt-Psoriasis-Tag“ begangen. Rund um dieses Datum finden in vielen Ländern der Welt Aktionen statt. Auch in Deutschland wird auf Veranstaltungen über Psoriasis informiert. Im Deutschen heißt diese Krankheit auch „Schuppenflechte“. Aber seit einigen Jahren ist deutlich, dass sie mehr ist als eine schuppige Hautkrankheit. Menschen mit Psoriasis riskieren weitere, teilweise lebensbedrohliche Begleit-Erkrankungen. Das trifft vor allem junge Psoriatiker und schwere Fälle! Bei ihnen kann die Psoriasis zur „Spitze des Eisberges“ werden, unter der sich eine vielfältige Entzündungskrankheit entwickelt. Deshalb ist es so wichtig, dass sich Betroffene frühzeitig behandeln lassen und ihre Krankheit nicht verschleppen. Fragen rund um die Psoriasis beantwortet Professor Dirschka am kommenden Freitag im Internet.

In Deutschland sind 2,1 % der Bevölkerung an Psoriasis erkrankt – deutlich weniger als zum Beispiel an Neurodermitis („atopisches Ekzem“). Trotzdem gibt es keine Hautkrankheit, über die in den vergangenen Jahren weltweit soviel neue Erkenntnisse veröffentlicht wurden. Das liegt vor allem daran, dass einige Pharmakonzerne mit viel Geld die Erforschung der Psoriasis und die dazu gehörige Öffentlichkeitsarbeit fördern. Der „Welt-Psoriasis-Tag“ war ursprünglich eine PR-Idee der Pharmaindustrie. Als 2004 die ersten, sehr teuren Psoriasis- Medikamente („Biologika“) eingeführt wurden, musste der Öffentlichkeit klargemacht werden, dass diese Ausgaben berechtigt sind. 

 

Obgleich das Datum nie als offizieller WHO-Aktionstag anerkannt wurde, griffen Kliniken, Ärzte und Patientenverbände die Idee auf – meist großzügig finanziell von Pharmafirmen unterstützt. Jetzt sind es vor allem die Risiken gefährlicher Begleit-Erkrankungen, über die die Betroffenen unbedingt aufgeklärt werden müssen. Immerhin vermutet man, dass in Deutschland 40 % der Psoriatiker nicht zum Arzt gehen. Das sind die leichten Fälle oder aber diejenigen, die jede Hoffnung auf eine Linderung aufgegeben haben.

 

Eine schwere Psoriasis kann gefährliche Erkrankungen nach sich ziehen: Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Gelenk-Psoriasis (Psoriasis Arthritis), Diabetes, Morbus Crohn, Depressionen sowie verschiedene Herz-/Kreislauf- und Gefäß-Erkrankungen. Niemand stirbt an seinen Schuppen. Aber das Herzinfarkt-Risiko eines heute 30-Jährigen mit schwerer Psoriasis ist dreimal größer als das eines Gesunden: Frauen sterben daran durchschnittlich 4,5 Jahre früher, Männer 3,5 Jahre. Genau diese Krankheiten können aber auch eine Psoriasis auslösen: Fettleibigkeit wirkt wie ein „Entzündungs-Turbo“, denn sie produziert entsprechende Botenstoffe.

 

Diese Begleiterkrankungen sind in jedem Alter möglich, also auch bei Kindern und Jugendlichen mit Psoriasis. Die sind schon in jungen Jahren doppelt so stark gefährdet, an Fettsucht (Adipositas) zu erkranken wie Gesunde. Auf diese Patientengruppe wird bei den Veranstaltungen zum Welt-Psoriasis-Tag 2010 besonders hingewiesen.

 

Schwere Begleiterkrankungen können abgeschwächt oder verhindert werden, wenn man sie frühzeitig erkennt und behandelt. Psoriatiker sollen sich auf „Risiko-Parameter“ untersuchen lassen, Vorsorge-Möglichkeiten wahrnehmen und sich für eine gesunde Lebensweise entscheiden sollten (kein Nikotin, wenig Alkohol, mäßig Fleisch). Zu den „Risko-Parametern“ gehören Blutdruck, Taillenumfang, Puls, Cholesterin, Glukose, Blutfette und Blutzucker und der Gelenkstatus (Psoriasis Arthritis). Sie sollten sich nicht scheuen, dem Arzt von ersten Anzeichen für Depressionen zu berichten.

 

Für keine klassische Hautkrankheit gibt es inzwischen so vielfältige Therapiemöglichkeiten, wie für die Psoriasis. Sie ist zwar nach wie vor nicht heilbar, aber in sehr vielen Fällen können Betroffene lange erscheinungsfrei bleiben und damit weitere Risiken verringern.

 

Über die Psoriasis-Therapie mit Medikamenten können sich Patienten direkt informieren:

 

Freitag, den 29. Oktober 2010

von 19 bis 21 Uhr

mit Professor Dr. Thomas Dirschka, Uni Witten / Herdecke


auf www.Psoriasis-Selbsthilfe.org/Expertenchat/

 

Weitere Veranstaltungen findet man unter www.WeltPsoriasisTag.de

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, 27. Oktober 2010 um 10:27 Uhr